Mittwoch, 31. Oktober 2007

2. Aufgabe, Teil 2

Beurteilung der Seite Europabegriffe und Europavorstellungen im 17. Jahrhundert

Nachstehende Beurteilung von Qualität und Zuverlässigkeit orientiert sich lose an einer Kriterienliste aus dem Beitrag Steffens, Henry J. / Dickerson, Mary Jane / Schmale, Wolfgang, Kurze wissenschaftliche Arbeiten schreiben. In: Schmale, Wolfgang, Schreib-Guide Geschichte (UTB, 2. Aufl. Wien 2006) 97-99.
Bei der Beurteilung von Netzpräsenzen lassen sich vielfach die ersten Aussagen treffen, ohne diese abzurufen, denn schon die URL bietet einige Informationen. So geht daraus hervor, daß sich die Seite auf einem Server der Universität Wien befindet und Bestandteil der Internetgestützten Lehre (IGL) und somit an das Wiener Institut für Geschichte angebunden ist. Für den Fall, daß die entsprechenden URL-Bestandteile nicht geläufig sind, läßt sich immerhin aus dem Bestandteil „ac“ ablesen, daß der Server von einer wissenschaftlichen- oder zumindest Bildungseinrichtung betrieben wird. Im Gegensatz zu vielen vergleichbaren Angeboten ist das Impressum zentral und mit Signalfarbe unterlegt auf der Startseite ersichtlich, das den Projektleiter und die wissenschaftlichen und administrativen Mitarbeiter ausweist, deren Kurzlebensläufe und Forschungsinteressen über einen Button im linken Frame abgerufen werden können. Zudem findet sich der Hinweis auf die Förderung durch die Gerda Henkel-Stifung in Düsseldorf, woraus freilich nicht deutlich wird, ob die Autoren das Projekt aus eigenem Antrieb gestartet haben und dafür eine Förderung erhalten haben oder ob die Stiftung Auftraggeber war. Aus den institutionellen Verbindungen, der Biographie der Mitarbeiter, der nüchternen graphischen Gestaltung und schließlich dem Inhalt, der den üblichen wissenschaftlichen Ansprüchen genügt, wird umgehend deutlich, daß das Adressatenfeld im akademischen Bereich liegt, und innerhalb desselben wiederum bei Wissenschaftern und Studenten, die sich bereits ausführlicher mit dem 17. Jahrhundert in Europa befaßt haben. Wer zufällig durch eine Google-Suche auf die Seite gelangt, wird sie aufgrund des spezifischen Angebots wahrscheinlich bald wieder verlassen. Der hohe Anspruch mag auch eine Erklärung dafür sein, daß Fachausdrücke nicht erklärt werden.
In der linken Seitenleiste sind neben den „Quellen 17. Jh.“ noch weitere Auswahlbereiche, etwa „Quellen 16. Jh.“ oder „Enzyklopädie 16. Jh.“ aufgelistet, die zunächst den Eindruck erwecken, sie wären Bestandteil des hier zu beurteilenden Angebots. Die Links führen jedoch zu externen Seiten. Die Erklärung liegt darin, daß laut (in fünf Sprachen verfügbarer!) Projektbeschreibung die Quellen zum 17. Jahrhundert bloß eines von vier Projekten bilden und die Autoren womöglich durch die Linksetzung zu den drei anderen Angeboten an prominenter Stelle darauf aufmerksam machen wollten, daß das Projekt nicht abgeschottet an der Uni Wien betrieben wurde, sondern ein Austausch mit anderen Forschungseinrichtungen gegeben ist. So stehen etwa die (wenigen) Quellen zum 16. Jahrhundert am Historischen Seminar der Universität München zur Verfügung. Diese Art der Gestaltung ist anfangs etwas irreführend.
Das Kernstück bildet die Erschließung von rund 100 europazentrierten Quellen aus dem 17. Jahrhundert. Die einzelnen Beiträge können nach vier Arten sortiert und erreicht werden: nach Titel, Autoren, Schlagworten und Erscheinungsjahr. Zusätzlich ist eine Volltextsuche integriert. Einige Quellen sind darüber hinaus mit einer vollständigen Transkription und/oder einer Abbildung des Vortitelblattes versehen, womit allerdings das „multimediale Potential“ erschöpft ist. Es wäre interessant, auch das Erscheinungsbild des Fließtexts vor Augen zu haben, diente es auch nur der Feststellung, daß man ihn nicht lesen kann. Zu jeder einzelnen Quelle gibt es eine inhaltliche und formale Beschreibung und eine Analyse des Europabegriffs des jeweiligen Verfassers, weiters Angaben zur erwünschten Zitierweise. Innerhalb der Quellenautopsien sind nur wenige Hyperlinks eingebaut und die Texte wurden offensichtlich nicht gezielt für eine elektronische Publikation vorbereitet (das ist meines Erachtens nicht notwendig), sondern könnten mit nur geringfügigen Adaptierungen in eine gedruckte Publikation aufgenommen werden. Die Zugeständnisse an die elektronische Publikation bestehen in der Möglichkeit, zu Beginn der Quellenautopsien mittels Links schnell zu den Zwischenüberschriften zu gelangen und von den Enden der Teilkapitel schnell zurück zum Seitenbeginn. Zumindest letztere Funktion halte ich für entbehrlich, kann die gleiche Wirkung doch jederzeit durch Betätigen der Taste „Pos1“ erreicht werden.
Zur Beurteilung der theoretischen Einordnung in die Forschungsansätze der Geschichtswissenschaft fehlen mir die spezifischen Kenntnisse. Die Autoren selbst äußern sich dazu – im Gegensatz zur methodischen Vorgehensweise, die ausführlich und nachvollziehbar dargestellt ist – nicht. Die Seite wurde meinen Recherchen zufolge weder in einschlägigen Fachpublikationen noch in der deutschsprachigen Tages- und Wochenpresse rezensiert. Das aus dem Projekt hervorgegange Buch Studien zur europäischen Identität im 17. Jahrhundert wurde allerdings verschiedentlich besprochen.
Das Projekt wurde den Angaben auf der Startseite zufolge im April 2006 abgeschlossen. Daß die letzte Änderung Anfang 2007 erfolgte, läßt darauf schließen, daß die Seite noch immer betreut wird und allfällige nachträglich entdeckte Fehler korrigiert werden.
Da die Benutzerfreundlichkeit der Seite insgesamt völlig in Ordnung ist und ich die wesentlichen Punkte bereits deutlich gemacht habe, verzichte ich nachstehend darauf, positive Selbstverständlichkeiten (Feedbackmöglichkeiten, kurze Ladezeit und dergleichen) ausführlich aufzuzählen und beschränke mich auf einige Kritikpunkte: Ärgerlich ist das Pop-Up (Screenshot) beim testweisen Aufruf der Seite mit Internet Explorer (anstelle von Mozilla Firefox mit Adblock), das darüber hinaus für eine äußerst unseriöse Dienstleistung wirbt. Die URL-Struktur innerhalb der Seite wäre zwar mustergültig (.../europaquellen/quellen17/khun1698.htm gibt sowohl Quellenautor als auch Entstehungsjahr an), jedoch wird dieser Vorteil dadurch geschmälert, daß die URL in der Adreßzeile nicht die des aktuellen Frames anzeigt und somit das Kopieren etwas mehr Aufwand ist. Folgt man obigem Link (der übrigens der von den Autoren gewünschten Zitierweise entspricht), ist die Zeilenlänge noch größer als in der Ansicht, in die man über die Startseite gelangt, das Lesen wird vor allem bei größeren Monitoren zu einer mühsamen Angelegenheit und man ist versucht, die Seite auszudrucken (was mit der Druckfunktion des Browsers sehr gut funktioniert).
Schmale - 3. Nov, 11:59

Schmale

Eine sehr gute und kritische Auseinandersetzung mit der Seite!

Romberg - 6. Nov, 08:07

Vorbildhaft...

Hervorragend und vorbildlich gelöst! Weiter so!

M4 WS 2007

Ulrich Gatterbauer

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