8. Aufgabe

Geschichte online

Das primäre Lernobjekt Geschichte online besteht aus vier Modulen, von denen sich die ersten beiden - „Wissenschaftliches Arbeiten“ und „Literatur- und Informationsrecherche“ - an Studenten der niedrigeren Semester richtet, während die Adressaten des Bereichs „Geschichtsdidaktik“ vornehmlich Lehramtsstudenten sind und der „Hypertextcreator“ schließlich als viertes und letztes Modul auch LV-Leiter ansprechen soll und die Handhabung des gleichnamigen Redaktions- und Datenbanksystems erklärt.

Die Module „Wissenschaftliches Arbeiten“ und „Literatur- und Informationsrecherche“ ermöglichen es, sich jene Fertigkeiten anzueignen, die möglichst am Beginn jedes geisteswissenschaftlichen Studiums erworben werden müssen und eigentlich im Rahmen der entsprechenden einführenden prüfungsimmanenten LV gelehrt werden sollten. Aus den bekannten Gründen es aber häufig unabdingbar, sich diese Fertigkeiten entweder im Laufe der geschichtswissenschaftlichen Arbeit im weiteren Studienverlauf nebenbei anzueignen oder selbst die Initiative zu ergreifen und sich über den Besuch defizitärer Einführungs-LV hinaus explizit mit den Methoden wissenschaftlichen Arbeitens auseinanderzusetzen. Genau diesen Zweck erfüllt dieses Modul, indem es einerseits an allgemeingültige Anforderungen wissenschaftlicher Praxis heranführt und andererseits einige der zahlreichen historischen Hilfswissenschaften im weitesten Sinn streift. Entsprechende Einführungstexte wechseln sich mit Übungen ab, in denen die erworbenen Kenntnisse überprüft werden können.

Tertiäres Lernobjekt zu GO

Versuchen Sie, mit Hilfe der ersten beiden Module von Geschichte Online folgende Aufgaben zu lösen. Nennen Sie dabei jeweils die Lerneinheiten, die Sie herangezogen haben. Das Augenmerk liegt nicht darauf, alle Aufgaben perfekt zu lösen, sondern auf der Dokumentation Ihrer Arbeitsschritte!
  1. Die folgenden Literaturangaben sind unvollständig. Erstellen Sie die Liste unter Beachtung der Zitierregeln des Instituts für Geschichte neu:
    Lebhart, Gustav Einstellungen zu internationaler Migration, Wien
    Ruth (1994) Sprachen der Vergangenheiten, Gedenken Frankfurt/M.
    Naomi (2001) Logo! München
    Holert, Tom, Terkessidis (2002), Entsichert
    Klaus (2000) Show. Zur Psychopolitik der FPÖ, Klagenfurt
    Lang, Helmut Instrument der Integration
  2. Erstellen Sie eine kurze Bibliographie zum Thema „Die deutsch-tschechoslowakischen Beziehungen von 1933 bis 1938“. Die Bibliographie soll zumindest jeweils zwei Monographien, Sammelbände, Zeitschriftenartikel sowie eine Quellenedition enthalten. Dokumentieren Sie, wo Sie recherchiert haben!
  3. Aus der von Ihnen soeben erstellten Bibliographie geht nicht hervor, welchen Stellenwert die einzelnen Einträge für dieses Thema einnehmen. Elektronische Bibliothekskataloge liefern in der Regel (fast) keine Aussagen über die inhaltliche Qualität und Relevanz der aufgelisteten Einträge. Wie könnte man dennoch feststellen, welche Einträge als unabdingbare Standardwerke gelten? Es gibt mehrere unterschiedlich zuverlässige Möglichkeiten!
  4. Sie haben einen Literaturverweis zu folgendem Buch gefunden: Boeckh, Richard, Die geschichtliche Entwicklung der amtlichen Statistik des Preußischen Staates. Eine Festgabe für den Internationalen Statistischen Congress in Berlin (Berlin 1863). Wie können Sie dieses Buch (ohne übermäßigen Aufwand) beschaffen?
  5. Welche Art von Quelle sehen Sie hier? Werfen Sie noch einmal einmal einen Blick auf die Lerneinheiten von Geschichte online und versuchen Sie, möglichst viele ausfinding zu machen, die Ihnen bei der formalen und inhaltlichen Auseinandersetzung mit der Quelle irgendwie eine Hilfe sein könnten! (Es ist selbstverständlich nicht nötig, den Text zu lesen.)

7. Aufgabe

Gasteiner, Martin / Krameritsch, Jakob, Schreiben für das WWW: Bloggen und Hypertexten. In: Schmale, Wolfgang (Hg.), Schreib-Guide Geschichte (2. Aufl., Wien 2006) 231-242.

Die ersten Abschnitte des vorliegenden Textausschnittes rufen die mittlerweile geläufigen Merkmale und den Aufbau von Weblogs bzw. deren Einträgen in Erinnerung, der letzte Absatz macht auf die beiden Varianten, ein Weblog einzurichten, aufmerksam. Von Interesse sind die dazwischenliegenden Überlegungen, die im wesentlichen darauf abzielen, den Leser von den vielen Vorteilen eines Weblogs zu überzeugen. Das regelmäßige Schreiben im eigenen Weblog erlaubt nicht nur wissenschaftlichen Dialog, sondern kann auch dem durch die Studienbedingungen vorprogrammierten“ geringen Angebot an sozialen Kontakten entgegenwirken. Eine besondere Variante, die zusätzlich die Fähigkeiten, die zum Arbeiten in einer Gruppe erforderlich sind, herausbildet, stellt das von mehreren Personen geführte Weblog dar. Zudem lassen sich Weblogs als personalisierte Lernumgebung einsetzen, die z. B. wichtige und regelmäßig genutzte Online-Ressourcen einerseits für den persönlichen Gebrauch rechnerungebunden speichert, andererseits durch Kommentare die Leser einlädt, selbst einen Streifzug zu unternehmen. Schließlich lassen sich auch Funktionen der Textgattung des Journals einbinden: Reflektieren über die eigenen Interessen und den akademischen Werdegang.

Es ist nicht verwunderlich, daß der Textausschnitt aus einem Buch, dessen Anliegen es unter anderem ist, Berührungsängste mit dem Publizieren im Web abzubauen, sparsam mit Kritik umgeht. Außer Frage steht, daß diese Art der Veröffentlichung nahezu jedem und jeder die Möglichkeit bietet, ohne großen technischen und administrativen Aufwand eigene Texte einem Publikum anzubieten und so einen Beitrag zur Meinungsvielfalt zu leisten imstande ist. Mancherorts stellen Weblogs mangels Kontrollierbarkeit und Zensierbarkeit sogar den letzten Freiraum einer kritischen Öffentlichkeit dar. Es darf aber nicht außer acht gelassen werden, daß Vielfalt nicht gleichbedeutend mit Qualität ist, und aus diesem Grund betrachte ich die mehrfache Ermutigung an jedermann, ein eigenes Blog zu führen, als bedenklich. Wozu niedrigschwellige elektronische Medien führen, nämlich zu einer Qualität, die inhaltlich (und orthographisch) stark zu wünschen übrig läßt, kann - bei Online-Foren noch deutlicher als bei Blogs - seit Jahren mitverfolgt werden. Nicht umsonst durchlaufen Beiträge in konventionellen Medien eine mehr oder weniger ausgefeilte Qualitätskontrolle, die bei Blogs gänzlich fehlt. Warum also die Aufforderung zum Bloggen und zum Gewinnen von Lesern? Bei einer konsequenten Fortführung dieses Gedankens würde womöglich jeder Internetnutzer sein eigener Blog-Herausgeber. Ein Zitat, das ursprünglich auf Buchmessen gemünzt war, scheint auch hier den Kern des Problems zu treffen: „Wer soll das alles lesen?“

Es scheint, daß zum Führen eines gut gewarteten Blogs ein gewisser Hang zur Selbstdarstellung unerläßlich ist. Vom ökonomischen Standpunkt her stellen sich mir folgende Fragen: Was könnte mich dazu bewegen, meine Freizeit zum Verfassen und Redigieren von Beiträgen zum Vergnügen und/oder Erkenntnisgewinn anderer zu verwenden? Soll ich meine eigenen Gedanken, Problemstellungen oder sogar fertige Arbeiten elektronisch verfügbar machen, um sie womöglich Monate später in einer fremden Diplomarbeit wiederzufinden? Diese Frage wird im vorliegenden Beitrag mit dem Hinweis, daß einzelne Blog-Einträge paßwortgeschützt werden können, kurz aufgegriffen. Ein Paßwortschutz würde allerdings das Blog-Konzept der Öffentlichkeit konterkarieren und in Richtung Journal führen. Allerdings: Zum Führen eines Journals im Sinne einer personalisierten Lernumgebung bevorzuge ich weiterhin gewöhnliche bewährte Textdateien mit ihren vielfältigeren und unkomplizierteren Gestaltungsmöglichkeiten. Der ins Feld geführte Vorteil der ubiquitären Verfügbarkeit einer eigenen Lernumgebung in Blog- oder Journalform ist ungültig, denn das trifft bei minimaler Vorbereitung für jeden Datentyp zu.

Weblogs halte ich für eine nützliche Ergänzung zum üblichen Medienkanon, und auf jeden Fall tragen sie in allen Feldern, ob journalistisch oder akademisch, zur Vielfalt der Meinungen bei. Die bisherigen Beiträge, die sich mit Weblogs theoretisch auseinandersetzten, gehen allerdings alle fälschlich von unbegrenzter Zeit aus. „Weblog-Zeit“ muß woanders eingespart werden. Meine Vermutung ist, daß dies zuungunsten herkömmlicher Printmedien geschieht. Da ich noch immer davon überzeugt bin, daß Weblogs durchschnittlich weniger hohen Qualitätskriterien entsprechen als die klassischen Medien, werde ich es weiterhin so halten, daß in meiner persönlichen Prioritätenliste Weblogs ganz unten stehen, das heißt, nur dann konsumiert werden, wenn zusätzlich Zeit zur Verfügung steht. Keinesfalls möchte ich, daß es dazu kommt, daß Weblogs den größten Anteil am täglichen Medienkonsum einnehmen.

6. Aufgabe

Schmale, Wolfgang u. a., Die hohe Kunst des E-Learning: Das Bauen hypertextueller Gebilde. In: Dies., E-Learning Geschichte (Wien/Köln/Weimar 2007) 169-191.

Kein elektronisches Medium kann die Kommunikation von Angesicht von Angesicht ersetzen, wie sie auch in klassischen Präsenzlehrveranstaltungen im Idealfall gepflogen wird. Dennoch spricht auch in der Geschichtswissenschaft einiges für den Einsatz von Hypertext. Im Gegensatz zu einer Fußnote in einem gedruckten Werk führt ein Hyperlink tatsächlich zum referenzierten Objekt; der Hyperlink kann als Fußnote mit theoretisch unendlicher Ausdehnung verstanden werden. Dieser unbestrittene Vorteil kann allerdings dazu führen, daß der Ursprungstext aus den Augen verloren wird, weil zu viele Fäden verfolgt werden. Wem ist es nicht schon passiert, beim Lesen eines Wikipedia-Artikels viele Links zu weiteren Beiträgen geöffnet und dadurch den ursprünglich nachgeschlagenen gar nicht zu Ende gelesen zu haben und hat damit die eigentlich gesuchte Information nicht erhalten? Ebendies kann sich freilich auch fruchtbar auswirken. Das Zeitbudget spielt dabei sicher eine ganz wichtige Rolle – es ist völlig sinnlos, sich mit einem Hypertextnetzwerk unter Zeitdruck auseinanderzusetzen.
Wie das Sich-Verzetteln positiven Niederschlag finden kann und soll, beschreibt Roberto Minuti: „Forschungsergebnisse können sich so als stets offene Baustelle präsentieren, als eine sehr dicht aneinander gereihte Stätte neuer Versionen, Erweiterungen und Entwicklungen, so daß jeder Gedanke an ein Ende oder Abgeschlossenheit in den Hintergrund gedrängt wird.“ Damit in engem Zusammenhang steht auch der „Serendipity-Effekt“, das zufällige Entdecken von ursprünglich nicht Gesuchtem, das sich als neu und interessant erweist.
Für den Einsatz von Hypertextnetzwerken nicht nur in der Geschichtswissenschaft, sondern in allen textzentrierten Disziplinen, spricht die Eignung für kollektive Produktionsprozesse. Wer schon öfter an kollektiven Produktionsprozessen teilhatte – worunter natürlich auch simple „Gruppenarbeiten“ wie gemeinsam zu erstellende Referate und schriftliche Arbeiten fallen – wird womöglich einwenden, daß die „Freiheit des Gelehrten“ bei dieser Art der Text- und Wissensproduktion eine erhebliche Einschränkung erfährt. Das ist insofern richtig, als die Konzeption eines Wissensraums nicht mehr einer einzigen Person obliegen kann und das Autorenkollektiv vor Kohärenzproblemen steht, die gelöst werden müssen. Allerdings: Je größer die Probleme, umso mehr Diskurs muß stattfinden, umso mehr kann man (auch als Einzelner) profitieren und lernen. Aus den nötigen Interaktionen zwischen den Schreibenden, die schon bei der Diskussion um die Bedeutungsvielfalt von Begriffen beginnt, ergibt sich eine weit intensivere Auseinandersetzung mit dem Prozeß des Schreibens als bei Einzelarbeiten. Jeder und jede einzelne ist gezwungen, nicht nur seine eigenen Gedankenstränge zu „Papier“ zu bringen, sondern muß fortwährend auf die Produktion der anderen achten und gegebenenfalls gegensteuern. In der Notwendigkeit, Konsistenz und Kohärenz herzustellen und die sich im Laufe der Gestaltung hoffentlich erweiternden Fähigkeit zur Strukturierung liegt einer der großen Gewinne, die sich aus hypertextbasierten Netzwerken ziehen lassen. Für das große Problem der mangelnden Dauerhaftigkeit zeichnet sich noch keine zufriedenstellende Lösung ab. Es ist (wie bei jeder Webseite) niemals gesichert, ob das Angebot auch in einigen Wochen oder gar Jahren noch zur Verfügung stehen wird. Des weiteren erfordern im Regelfall besonders Hypertexte eine ständige Internetanbindung. Wie ich aus eigener leidvoller Erfahrung weiß, ist noch nicht einmal in Mitteleuropa mobiler Internetzugang in akzeptabler Qualität verfügbar. Den beiden angesprochenen Einbußen bei der „Usability“ kann der Hypertext-Leser aber zumindest bei nicht übermäßig komplexer Seitenstruktur entgegenwirken, indem er (z. B. hiermit) eine vollständige Spiegelung von Hypertexten oder auch ganzer Netzwerke vornimmt, die damit nicht nur für Archivzwecke dauerhaft am eigenen Rechner gespeichert bleiben, sondern auch ihrer Hypertextfunktionen nicht beraubt werden.

5. Aufgabe

Auseinandersetzung mit www.pastperfect.at

Der Untertitel dieses hypertaxtbasierten Lernobjekts lautet „Die Geschichte Europas zwischen 1492 und 1558“. Epochen- und raumorientierte Schwerpunkte werden damit bereits auf der Startseite klar abgesteckt. Das Projekt (Leitung: Wolfgang Schmale) ist aus einer Zusammenarbeit des Wiener Instituts für Geschichte und dem Institut für visuelle Mediengestaltung der Universität für Angewandte Kunst Wien entstanden. Daß diese Kooperation offenbar eine fruchtbare war bzw. ist, eröffnet sich dem Betrachter unter anderem dadurch, daß die graphische Gestaltung im Vergleich zu vielen anderen historischen Online-Lernobjekten und Plattformen technisch und optisch sehr aufwendig ist. Die Institutionen und deren Mitarbeiter bürgen für die inhaltliche Qualität der einzelnen Beiträge.
Das zentralen Navigationsinstrumente ist eine vertikale Leiste, über die die vier Ebenen „Ereignisse“, „Kontexte“, „Rezeption“ und „Reflexionen“ erreicht werden können. Des weiteren kann der Verlauf der bisher angezeigten Beiträge dargestellt werden und eine Volltextsuche vorgenommen werden. Es eröffnen sich durch diese Auswahlmöglichkeiten mehrere Zugänge zu den Inhalten der Seite. Es ist aber weder möglich noch sinnvoll, diese in Zahlen anzugeben; es ist sicher nicht verkehrt zu sagen, daß die Anzahl der möglichen Zugänge unbegrenzt ist, da anders als bei den meisten bisher beurteilten Lehr- und Lernobjekten überhaupt keine Reihenfolge der Texte vorgegeben ist, sondern der Leser gleichsam zu Beginn ins kalte Wasser gestoßen wird und sich selbst einen Weg bahnen soll, der seinen persönlichen Interessen nahekommt. Ein grober Überblick über das Angebot läßt sich vermitteln, wenn man der Gliederung in der Leiste folgte. Der Zugang „Ereignisse“ funktioniert recht ungewohnt: Zu sehen sind eine Landkarte von Europa (und ein ankerndes Schiff, das für die „Entdeckung“ der Neuen Welt steht), ein „Zeitrad“ und sogenannte „Tags“ (etwa Entdeckungen, Wirtschaft, Frau etc.). Man kann nun im Zeitrad ein Jahr zwischen 1492 und 1558 einstellen, woraufhin in der Landkarte Orte eingeblendet werden, nach deren Anklicken Beiträge erscheinen, die zwar zumeist kurz sind (etwa eine halbe Druckseite), sich aber durch ihre wenig ereignisgeschichtliche Orientierung (trotz des Rubrikennamens „Ereignisse“!) auszeichnen. Wie der Projektbeschreibung zu entnehmen ist, sollen „neben der Wirtschafts- und Sozialgeschichte die Alltags-, Kultur- und Geschlechtergeschichte“ gleichwertig mit eingeschlossen werden.
Nicht nur das Zeitrad verschafft Zugang zu den Texten. Meiner Meinung nach noch interessanter und ebenfalls anfangs gewöhnungsbedürftig ist die Funktion „Kontexte“. Hier ist nicht die Zeit das Kriterium, nach der Texte vorgeschlagen werden, sondern es werden Überblicksdarstellungen zu den Beiträgen angeboten, die unter „Ereignisse“ abgerufen werden können. Der Faktor Zeit spielt bei der Ebene „Rezeptionen“ hingegen wieder eine große Rolle. Hier soll eine dreidimensional dargestellte Zeitleiste, die bis in die Gegenwart reicht, dazu animieren, sich mit Hife kurzer Einführungstexte mit der Rezeption verschiedener gesellschaftlicher Phänomene oder Personen auseinanderzusetzen und dadurch z. B. in Erinnerung rufen, daß heutige „historische Fakten“ vor 30, 100 oder 500 Jahren womöglich diametral dargestellt wurden. In der selbstreferentiellen Rubrik „Reflexionen“ schließlich setzen sich die Autoren und Autorinnen in mehreren Essays nicht nur mit dem Verhältnis elektronischen Medien und Geschichte bzw. Unterricht auseinander, sondern geben auch einige ihrer Erfahrungen bei der Arbeit an pastperfect Preis.
Hat man sich einmal in die originelle Benutzeroberfläche eingearbeitet, kommt man so schnell nicht wieder von pastperfect los. Ich halte es für ein überaus gelungenes Beispiel für ein „echtes“ Netzwerk an Hypertexten. Im Vergleich zu den bisher besprochenen Plattformen kommt klar zum Ausdruck, daß das Angebot nicht aus einer simplen Übertragung von (gedruckten) Texten in die elektronische Version besteht, sondern bereits vor dem Erstellen des Angebots und dem Verfassen der Texte Rücksicht auf die Anforderungen, die elektronische Publikation stellt, genommen wurde.

4. Aufgabe

Inhaltliche Beschreibung von historicum.net

Historicum.net ist die Nachfolgeplattform des „Servers Frühe Neuzeit“ (sfn) und wird von einer Vielzahl an wissenschaftlichen Institutionen unterstützt. Der Zweck dieses Angebots besteht in der Präsentation von eigenständigen Portalen unter einheitlicher technischer Struktur und ebensolchem Erscheinungsbild. Der Vorteil liegt auf der Hand: Durch die Erreichbarkeit über eine gemeinsame Startseite können die Themenportale einem größeren Kreis nähergebracht werden als durch einzelne Netzauftritte. Der ursprüngliche Schwerpunkt der Frühen Neuzeit ist zwar noch deutlich erkennbar, wurde jedoch mittlerweile bis herauf zur Zeitgeschichte erweitert. Die Gesamtverantwortung obliegt einem eigens dafür geschaffenen Trägerverein, für die Inhalte sind jeweils namentlich genannte Fachredakteure zuständig. Die ständig sichtbare horizontale Leiste verschafft Zugang zu den vier Rubriken, von denen zwei – „Länder“ und „Recherche“ – im wesentlichen kommentierte Linklisten zum Inhalt haben. Obwohl die Startseite nicht nur die unkomplizierte Zugänglichkeit aller Angebote erlaubt, sondern auch über neue Artikel auf dem laufenden hält und diverse Zusatzfunktionen wie etwa ein Quiz oder Abonnement-Möglichkeiten bereithält, wirkt sie keineswegs überladen.
Näher eingehen werde ich auf die Auswahlmöglichkeiten „Themen“, die zum Kern des Angebots führt, und „Lehren & Lernen“ mit Einführungen zum geschichtswissenschaftlichen Arbeiten.
  1. Themen
  2. Nach Wählen eines Buttons in der horizontalen Leiste scheinen in einer vertikalen Leiste die Auswahlmöglichkeiten der zweiten Verzeichnisebene auf, die wiederum Unterverzeichnisse- bzw. Kapitel enthalten. Die 14 „Themen“ (angemessener wäre „Themenportale“) reichen von Hexenforschung bis zum alliierten Bombenkrieg. Da für die Inhalte jeweils unterschiedliche Personengruppen verantwortlich sind, weicht auch die Strukturierung der einzelnen Themen zum Teil stark voneinander ab, was aber Orientierung und Übersichtlichkeit, die durch den permanent sichtbaren Verzeichnisbaum gewährleistet sind, keinerlei Abbruch tut. Es können an dieser Stelle nicht alle Portale einzeln besprochen werden, obwohl manche derart ergiebig sind, daß sie durchaus im Rahmen einer eigenen Webseite präsentiert werden könnten und ihnen gesonderte Rezensionen zukämen. (Für das Portal zur Französischen Revolution gibt es eine Besprechung bei H-Soz-u-Kult.) Ich habe längere Zeit nach Merkmalen gesucht, die auf alle 14 Portale zutreffen, doch wurde ich nicht fündig, einmal abgesehen vom hohen wissenschaftlichen Ansprüchen genügenden Standard, den wenige Absätze umfassenden Einführungstexten auf den Projektstartseiten und den weiterführenden Literaturhinweisen. Es ist daher notwendig, sich nach der kurzen Einarbeitungszeit in historicum.net auch mit den jeweiligen Themenseiten vertraut zu machen.
    Im Gegensatz etwa zu Clio-online verfolgt historicum.net nicht das Ziel, geschichtswissenschaftliche Hilfsmittel kommentiert zu sammeln, sondern selbst themenorientierte Beiträge zu liefern, die von Zeitleisten und Kurzdefinitionen über einführende Artikel bis hin zu umfangreicheren Aufsätzen reichen. Es ist zwar zumeist empfehlenswert, sich zumindest mit den Einführungsartikeln (wofern vorhanden) zu befassen und anschließend der Reihenfolge der Auflistung zu folgen, doch können viele Beiträge auch „eigenständig“ gelesen werden.
    Etwas außerhalb der Reihe der 14 themenorientierten Portale stehen die Plattformen Internationale Geschichte und Klassiker der Geschichtswissenschaft, die aus einer diplomatiegeschichtlichen Aufsatzsammlung bzw. einem Nachschlagewerk über Personen mit Einfluß auf die Geschichtswissenschaft bestehen. Bei letzterem ist bemerkenswert, daß die Artikel neben tabellarischer Biographie und Linkliste ausschließlich Zitate der Sekundärliteratur enthalten.
  3. Lehren & Lernen
  4. In dieser Rubrik stehen Einführungen zum geschichtswissenschaftlichen Arbeiten ( Archiveinführung, Computer bzw. Internet im Geschichtsstudium und „Arbeiten mit Quellen“) zur Verfügung, die sich gleichermaßen an Lehrende wie Studierende richten. Im Bereich „Lehren & Lernen“ können ferner eine umfangreiche Bibliographie zu Geschichtsdidaktik- und Unterricht und eine Art elektronische Festschrift für den in München lehrenden Historiker Winfried Schulze abgerufen werden. Die letzte Rubrik, die sogenannten Link-Winks, die ausführliche Kommentare zu ausgewählten historischen Online-Ressourcen enthalten, wird entgegen den Informationen in der Projektbeschreibung offensichtlich nicht mehr aktualisiert und dient daher nur noch als Datenbank.
    Nicht unerwähnt bleiben sollte auch der Webkatalog zu „universitärer Lehre und Internet“, der auf den ersten Blick wie eine Verdoppelung der zahlreichen einschlägigen Linklisten anmutet, sich bei näherer Betrachtung aber als kenntnisreich kommentierte und vor allem nicht fachspezifische Internet-Bibliographie erweist, die unter anderem auch auf technische Anleitungen zum Publizieren im Netz aufmerksam macht.
Die Texte entbehren durchwegs einer Hypertextfunktionalität. Besonders bei den zahlreichen Zeitleisten wären Verweise auf allfällig vorhandene thematisch passende Aufsätze sehr gewinnbringend. Einen erheblichen Abstrich bei der Benutzerfreundlichkeit verursacht das Fehlen einer Druckfunktion, die besonders für Aufsätze, die auf mehreren Seiten angezeigt werden, wünschenswert wäre. Dies sind jedoch Kleinigkeiten in Anbetracht der ansonsten ausgezeichneten Präsentation und hohen inhaltlichen Qualität und der gelungenen Mischung von Text, Zeitleisten, Bildmaterial und Bibliographien bzw. Linklisten.

3. Aufgabe

Inhaltliche Beschreibung von Clio-online

Da die Wissenschaftlichkeit von Clio-online außer Frage steht, unterscheidet sich dieser Beitrag von meiner vorhergehenden Beurteilung einer Netzpräsenz dahingehend, daß der Schwerpunkt auf Beschreibung von Aufbau und Inhalt liegt.
Das geschichtswissenschaftliche Fachportal Clio-online wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert. Zahlreiche renommierte wissenschaftliche Institutionen und Einzelpersonen tragen zu den Inhalten bei. Die redaktionelle Verantwortung liegt beim Institut für Geschichtswissenschaften an der HU Berlin.
Das zentrale Navigationsinstrument ist eine zehn Einträge umfassende Leiste im oberen Bildschirmbereich, über die man zu den jeweiligen Angeboten gelangt, die vielfach auf der jeweiligen Subseite mit einigen Zeilen beschrieben werden. Daneben gibt es aber dort, wo es aufgrund der Vielzahl der Auswahlmöglichkeiten sinnvoll ist, Untermenüs für den schnellen Zugriff unmittelbar unterhalb des Hauptmenüs. Das Untermenü ist besonders für Benutzer sinnvoll, die bereits mit dem Angebot vertraut sind und schnell eine Funktion abrufen möchten.

Die Teilbereiche im einzelnen:
  1. Rezensionen
  2. Diese Datenbank liefert ausschließlich Rezensionen, die online verfügbar sind. Das hat zwar den Vorteil, daß ohne Aufwand Meinungen zu einem Buch eingeholt werden können, birgt jedoch gleichzeitig die Gefahr, daß die zahlreichen weiteren (und womöglich gehaltvolleren) Besprechungen, die „nur“ gedruckt erschienen sind, ignoriert werden. Für Michael Mitterauers Monographie „Warum Europa?“ beispielsweise listet Clio zwei Rezensionen auf, während die Internationale Bibliographie der Rezensionen (IBR) immerhin 15 Treffer landet.
    Nach Auswahl eines Buchtitels werden einige Zusatzfunktionen angeboten, als deren nützlichste mir die Möglichkeit erscheint, nach den eingescannten Inhaltsverzeichnissen im Gemeinsamen Bibliothekenverbund (GBV) zu suchen und als pdf anzeigen zu lassen.
  3. Web-Verzeichnis
  4. Das Web-Verzeichnis ist eine umfangreiche kommentierte Linkliste zu wissenschaftlich relevanten Inhalten, die in 10 Rubriken unterteilt ist. Trotz dieser inhaltlichen Sortierung (etwa in Bibliographien, Institutionen, Materialien, Nachschlagewerke, Quellen) wird es wegen der großen Umfangs (derzeit über 8500 Einträge) zielführend sein, die Suchfunktion zu bemühen. Diese kann entweder auf das gesamte Verzeichnis angewendet werden oder auf eine der Rubriken beschränkt werden. Jeder Benutzer kann außerdem mit Hilfe eines Formulars eigene Internetangebote melden.
  5. Institutionen
  6. Diese Rubrik beinhaltet ebenfalls eine Linkliste, allerdings ausschließlich zu wissenschaftlichen bzw. wissenschaftsnahen Einrichtungen mit historischem Bezug und ist nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen Auswahlmöglichkeit im „Web-Verzeichnis“. Warum hier ein eigener Auswahlbereich geschaffen wurde und die Liste nicht vollständig ins Web-Verzeichnis integriert wurde, konnte ich nicht herausfinden. Ein möglicher Grund ist, daß die zusätzliche Gliederung in „Akademien, Archive, Behörden, Bibliotheken“ etc. im Rahmen des Web-Verzeichnisses eine zusätzliche Verzeichnisebene verursacht hätte und technische Erwägungen eine Auslagerung in eine eigene Rubrik vernünftiger erscheinen ließen.
  7. Findmittel
  8. Zum Zeitpunkt des Seitenaufrufs (09.11) war es leider nicht möglich, die Kommentare zu den Findmitteln aufzurufen; die Links funktionierten jedoch. Die Einträge können nach Epochen und Regionen sortiert aufgelistet werden (dennoch wird wegen der Breite des Angebots auch hier die Nutzung der Suchfunktion unausweichlich sein). Aus der Art der Gliederung tritt übrigens die Fokussierung auf Deutschland besonders offen zutage. Ein großer Teil der Findmittel umfaßt Links zu Bestandsverzeichnissen von Archiven, die allerdings nicht alle online verfügbar sind, sondern vor Ort eingesehen werden müssen.
  9. Forscher/innen
  10. Hier können Forscher und Forscherinnen die üblichen Angaben wie Kurzbiographie, Forschungsschwerpunkte, derzeitige Position, aktuelle Projekte, Kontaktdaten und dergleichen vorstellen.
  11. Guides
  12. Diese Rubrik bietet zahlreiche thematische, regionale und zwei „themenunabhängige“ Überblicksartikel zu elektronischen Hilfsmitteln. Eine stichprobenartige Überprüfung ergab leider, daß viele Links nicht mehr aktuell sind. Dennoch können die Beiträge besonders dann eine wertvolle Hilfestellung bieten, wenn man über den deutsch(sprachig)en Raum hinaus recherchieren und sich in die länderspezifischen historischen Internetressourcen einarbeiten möchte.
  13. Fachdatenbanken
  14. Die hier verfügbare leistungsfähige Metasuchmaschine durchsucht (derzeit) 38 Datenbanken. Wie auch bei anderen Metasuchmaschinen üblich werden zu den Treffern Links angezeigt, die entweder zum Volltext oder zu Bestandsinformationen führen. Hervorzuheben ist, daß auch viele ungedruckte Bestände erfaßt werden.
Clio-online bietet laut Eigenbeschreibung auch „Fachkommunikation“. Diese findet jedoch nicht unmittelbar im Rahmen dieses Angebots statt, sondern auf eng kooperierenden Plattformen wie hsozkult.
Nicht unerwähnt bleiben sollten auch die elektronisch publizierten Periodika (derzeit „Historische Literatur“, „Historisches Forum“, „Zeithistorische Forschungen“), die ebenfalls in Kooperation mit anderen Plattformen und Institutionen herausgegeben werden. Abschließend sei auf die Möglichkeit der Personalisierung hingewiesen, die es z. B. erlaubt, sich E-Mail-Beiträge aus einschlägigen fachbezogenen Internetforen übermitteln zu lassen.

2. Aufgabe, Teil 2

Beurteilung der Seite Europabegriffe und Europavorstellungen im 17. Jahrhundert

Nachstehende Beurteilung von Qualität und Zuverlässigkeit orientiert sich lose an einer Kriterienliste aus dem Beitrag Steffens, Henry J. / Dickerson, Mary Jane / Schmale, Wolfgang, Kurze wissenschaftliche Arbeiten schreiben. In: Schmale, Wolfgang, Schreib-Guide Geschichte (UTB, 2. Aufl. Wien 2006) 97-99.
Bei der Beurteilung von Netzpräsenzen lassen sich vielfach die ersten Aussagen treffen, ohne diese abzurufen, denn schon die URL bietet einige Informationen. So geht daraus hervor, daß sich die Seite auf einem Server der Universität Wien befindet und Bestandteil der Internetgestützten Lehre (IGL) und somit an das Wiener Institut für Geschichte angebunden ist. Für den Fall, daß die entsprechenden URL-Bestandteile nicht geläufig sind, läßt sich immerhin aus dem Bestandteil „ac“ ablesen, daß der Server von einer wissenschaftlichen- oder zumindest Bildungseinrichtung betrieben wird. Im Gegensatz zu vielen vergleichbaren Angeboten ist das Impressum zentral und mit Signalfarbe unterlegt auf der Startseite ersichtlich, das den Projektleiter und die wissenschaftlichen und administrativen Mitarbeiter ausweist, deren Kurzlebensläufe und Forschungsinteressen über einen Button im linken Frame abgerufen werden können. Zudem findet sich der Hinweis auf die Förderung durch die Gerda Henkel-Stifung in Düsseldorf, woraus freilich nicht deutlich wird, ob die Autoren das Projekt aus eigenem Antrieb gestartet haben und dafür eine Förderung erhalten haben oder ob die Stiftung Auftraggeber war. Aus den institutionellen Verbindungen, der Biographie der Mitarbeiter, der nüchternen graphischen Gestaltung und schließlich dem Inhalt, der den üblichen wissenschaftlichen Ansprüchen genügt, wird umgehend deutlich, daß das Adressatenfeld im akademischen Bereich liegt, und innerhalb desselben wiederum bei Wissenschaftern und Studenten, die sich bereits ausführlicher mit dem 17. Jahrhundert in Europa befaßt haben. Wer zufällig durch eine Google-Suche auf die Seite gelangt, wird sie aufgrund des spezifischen Angebots wahrscheinlich bald wieder verlassen. Der hohe Anspruch mag auch eine Erklärung dafür sein, daß Fachausdrücke nicht erklärt werden.
In der linken Seitenleiste sind neben den „Quellen 17. Jh.“ noch weitere Auswahlbereiche, etwa „Quellen 16. Jh.“ oder „Enzyklopädie 16. Jh.“ aufgelistet, die zunächst den Eindruck erwecken, sie wären Bestandteil des hier zu beurteilenden Angebots. Die Links führen jedoch zu externen Seiten. Die Erklärung liegt darin, daß laut (in fünf Sprachen verfügbarer!) Projektbeschreibung die Quellen zum 17. Jahrhundert bloß eines von vier Projekten bilden und die Autoren womöglich durch die Linksetzung zu den drei anderen Angeboten an prominenter Stelle darauf aufmerksam machen wollten, daß das Projekt nicht abgeschottet an der Uni Wien betrieben wurde, sondern ein Austausch mit anderen Forschungseinrichtungen gegeben ist. So stehen etwa die (wenigen) Quellen zum 16. Jahrhundert am Historischen Seminar der Universität München zur Verfügung. Diese Art der Gestaltung ist anfangs etwas irreführend.
Das Kernstück bildet die Erschließung von rund 100 europazentrierten Quellen aus dem 17. Jahrhundert. Die einzelnen Beiträge können nach vier Arten sortiert und erreicht werden: nach Titel, Autoren, Schlagworten und Erscheinungsjahr. Zusätzlich ist eine Volltextsuche integriert. Einige Quellen sind darüber hinaus mit einer vollständigen Transkription und/oder einer Abbildung des Vortitelblattes versehen, womit allerdings das „multimediale Potential“ erschöpft ist. Es wäre interessant, auch das Erscheinungsbild des Fließtexts vor Augen zu haben, diente es auch nur der Feststellung, daß man ihn nicht lesen kann. Zu jeder einzelnen Quelle gibt es eine inhaltliche und formale Beschreibung und eine Analyse des Europabegriffs des jeweiligen Verfassers, weiters Angaben zur erwünschten Zitierweise. Innerhalb der Quellenautopsien sind nur wenige Hyperlinks eingebaut und die Texte wurden offensichtlich nicht gezielt für eine elektronische Publikation vorbereitet (das ist meines Erachtens nicht notwendig), sondern könnten mit nur geringfügigen Adaptierungen in eine gedruckte Publikation aufgenommen werden. Die Zugeständnisse an die elektronische Publikation bestehen in der Möglichkeit, zu Beginn der Quellenautopsien mittels Links schnell zu den Zwischenüberschriften zu gelangen und von den Enden der Teilkapitel schnell zurück zum Seitenbeginn. Zumindest letztere Funktion halte ich für entbehrlich, kann die gleiche Wirkung doch jederzeit durch Betätigen der Taste „Pos1“ erreicht werden.
Zur Beurteilung der theoretischen Einordnung in die Forschungsansätze der Geschichtswissenschaft fehlen mir die spezifischen Kenntnisse. Die Autoren selbst äußern sich dazu – im Gegensatz zur methodischen Vorgehensweise, die ausführlich und nachvollziehbar dargestellt ist – nicht. Die Seite wurde meinen Recherchen zufolge weder in einschlägigen Fachpublikationen noch in der deutschsprachigen Tages- und Wochenpresse rezensiert. Das aus dem Projekt hervorgegange Buch Studien zur europäischen Identität im 17. Jahrhundert wurde allerdings verschiedentlich besprochen.
Das Projekt wurde den Angaben auf der Startseite zufolge im April 2006 abgeschlossen. Daß die letzte Änderung Anfang 2007 erfolgte, läßt darauf schließen, daß die Seite noch immer betreut wird und allfällige nachträglich entdeckte Fehler korrigiert werden.
Da die Benutzerfreundlichkeit der Seite insgesamt völlig in Ordnung ist und ich die wesentlichen Punkte bereits deutlich gemacht habe, verzichte ich nachstehend darauf, positive Selbstverständlichkeiten (Feedbackmöglichkeiten, kurze Ladezeit und dergleichen) ausführlich aufzuzählen und beschränke mich auf einige Kritikpunkte: Ärgerlich ist das Pop-Up (Screenshot) beim testweisen Aufruf der Seite mit Internet Explorer (anstelle von Mozilla Firefox mit Adblock), das darüber hinaus für eine äußerst unseriöse Dienstleistung wirbt. Die URL-Struktur innerhalb der Seite wäre zwar mustergültig (.../europaquellen/quellen17/khun1698.htm gibt sowohl Quellenautor als auch Entstehungsjahr an), jedoch wird dieser Vorteil dadurch geschmälert, daß die URL in der Adreßzeile nicht die des aktuellen Frames anzeigt und somit das Kopieren etwas mehr Aufwand ist. Folgt man obigem Link (der übrigens der von den Autoren gewünschten Zitierweise entspricht), ist die Zeilenlänge noch größer als in der Ansicht, in die man über die Startseite gelangt, das Lesen wird vor allem bei größeren Monitoren zu einer mühsamen Angelegenheit und man ist versucht, die Seite auszudrucken (was mit der Druckfunktion des Browsers sehr gut funktioniert).

2. Aufgabe, Teil 1

Zusammenfassung des Kapitels „E-Medienkompetenz / e-media literacy. In: Schmale, Wolfgang u. a., E-Learning-Geschichte (Wien/Köln/Weimar 2007) 54-67.

In diesem Kapitel versuchen die Autoren eine kurze kritische Annäherung an den Begriff der „Kompetenz“, der durch seine inflationäre Verwendung mittlerweile zu den Klassikern der Worthülsen gehört (und in den meisten Bullshit-Bingos nicht fehlt). Es wird, dem übergeordneten Thema des Buchs folgend, sinnvollerweise die Definition in Richtung Medienkompetenz weiterverfolgt, die sich nach Dieter Baacke in vier Ebenen zerlegen ließe: Medienkunde-, Nutzung-, Gestaltung- und Kritik. Mike Sandbothe hat dieses einfache Modell ergänzt und für den Hochschulbereich nutzbar(er) gemacht. Welchen Weg er dabei beschritt, ist allerdings im vorliegenden Kapitel leider nur sehr kurz angedeutet. Ein wichtiger Beitrag scheint jedoch die Erkenntnis gewesen zu sein, daß bei der Vermittlung von Medienkompetenz an Schulen und Universitäten, angefacht durch die „Internet-Euphorie“ der 90er Jahre, grundlegende Medienkompetenz (welche auch „klassische“ Medien bzw. deren Beurteilung umfaßt) nicht Lehr- und Lerngegenstand war.
Im Gegensatz zu Baacke bedient sich Heinz Moser einer deutlich weniger techniklastigen Aufschlüsselung des Begriffs der Medienkompetenz: Während bei Baacke mindestens drei Ebenen eine Verbindung zur Technik zumindest bei Anwendung auf E-Medien beinhalten würden, weist Moser der Technik nur eine einzige Rubrik zu („technische Kompetenz“). Dadurch bleibt mehr Raum für „reflexive, kulturelle und soziale Kompetenzen“, die gegenüber der technischen einen erheblichen Bedeutungszuwachs erfahren haben, wie auch die Autoren in ihrer zusammenfassenden Reflexion am Kapitelabschluß festhalten. Das wird etwa daraus deutlich, daß für das Veröffentlichen eigener Beiträge im WWW oder für die aktive Teilnahme an einem Wiki keine Kenntnisse mehr um die Technik nötig sind, die alles möglich macht, weder bei Hard- noch bei Software. Gleichwohl bestehen und expandieren neben diesen nicht technikzentrierten für ein breites Publikum gedachten Inhalten und Projekten auch solche, die durch für den „einfachen“ Benutzer schwer zu durchschauende Programmiersprachen die Qualität bereits vorhandener Angebote zu bewerten und zu verbessern suchen. Dieses „semantic web“ wird oft als Pendant zum auf massenhafte Teilnahme setzenden „Web 2.0“ angesehen.
Beim von den Autoren erstellten „Anforderungskatalog an E-Medienkompetenz“, dessen Wiedergabe hier nicht notwendig ist, fällt zum einen seine weitgehende Identität mit „buzzwords“ auf, die zwar im Zusammenhang mit E-Medien beinahe unausweichlich erscheint, jedoch geeignet ist, die Geduld des Lesers zu strapazieren. (Die Autoren sind sich des Terminologieproblems bewußt und haben darauf an anderer Stelle hingewiesen.) Zum anderen sind viele Anforderungen des Katalogs derart allgemein gehalten, daß das „E“ bei der „E-Medienkompetenz“ getrost fallen gelassen werden könnte („eigenverantwortliches Lernen, selbstgesteuertes Vorgehen, problemorientiertes Lernen, Genderkompetenz" und dergleichen). Die Offenheit scheint der Güte des Katalogs allerdings eher zu- als abträglich zu sein, läßt er doch ausreichend Raum für die Unterlegung mit fachspezifischen Kompetenzen, wie sie etwa für die Geschichtswissenschaft in zahlreichen Beiträgen von Peter Haber und Jan Hodel unter dem Titel „Historische Online-Kompetenz“ (HOK) ausgearbeitet wurden. Stark vereinfacht umfaßt HOK die Kompetenzen „Lesen, Schreiben und Reden“. Elaborierter ausgedrückt bedeutet das: Lesen umfaßt die Dimension der Analyse, Schreiben die der Synthese und Reden die reflektive und diskursive Dimension. Völlig klar ist, daß die drei Dimensionen keineswegs autark sind, sondern sich „in einer unscharfen Art überlappen und von verschiedenen Wechselwirkungen gekennzeichnet sind“ (Hodel 2007, 201f.).

Literatur
  • Hodel, Jan, Historische Online-Kompetenz. Informations- und Kommunikationstechnologie in den Geschichtswissenschaften. In: Pöppinghege, Rainer (Hg.), Geschichte lehren an der Hochschule. Bestandesaufnahme, methodische Ansätze, Perspektiven (Schwalbach 2007) 194-210, online unter http://histnet.ch/hodel/person/docs/online_kompetenz05.pdf (30.10.2007).

1. Aufgabe

Schmale, Wolfgang u. a., E-Learning Geschichte (Wien/Köln/Weimar 2007).

Kapitel 1 behandelt Änderungen im universitären Umfeld, die nicht unbedingt mit E-Learning (EL) im Zusammenhang stehen, aber dennoch auch in der Geschichtswissenschaft bedeutende Auswirkungen nach sich ziehen (v. a. Bologna-System). Eine unmittelbarere Verbindung zum Thema hat die Nutzung elektronischer Medien, die nicht allein eine Ausbreitung der bisherigen traditionellen Arbeitsweisen umfaßt, sondern vor allem durch eine weitreichende „Systemtransformation“ neue Möglichkeiten verspricht, etwa eine Brückenkopffunktion zwischen Wissenschaft und Alltag.
Das zweite Kapitel verweist nicht nur auf verschiedene mögliche Definitionen des EL, sondern vermittelt vor allem das Rüstzeug, um verschiedene Angebote theoretisch einordnen zu können. Es wird dabei eine allgemeine Unterscheidung in primäre, sekundäre und tertiäre Lernobjekte getroffen (48-52), die sich durch zahlreiche Leitfragen (41), etwa hinsichtlich der Beteiligung der jeweiligen Akteure am „Lernszenario“, noch genauer einteilen ließen.
Im dritten Kapitel werden verschiedene Arten der institutionellen Einbettung von EL-Strukturen vorgestellt und mögliche sich ergebende Schwierigkeiten (geringe Akzeptanz, ökonomische Zwänge, „falscher“ Einsatz, übertriebene Erwartungshaltung) aufgezeigt. Die folgenden Abschnitte widmen sich jeweils LMS (Lernmanagementsystemen), CMS (Content Management-Systemen) sowie der alternativen Strategie der IGL (Internetgestützte Lehre). Eines der zentralen Unterscheidungsmerkmale ist dabei stets das Ausmaß, in dem die Grenze zwischen Autor und Leser verwischt oder sogar gänzlich aufgehoben wird.
Das vierte Kapitel unterzieht, der Einteilung von Lernobjekten folgend, mehrere Internetpräsenzen einer gründlichen Analyse. Als prominentes Beispiel für ein primäres Lernobjekt dient dabei die Plattform Geschichte Online, als sekundäres (bzw. hybrides) Lernobjekt wird Deuframat vorgestellt. Im Gegensatz zu primären und sekundären müssen tertiäre Lernobjekte mangels eines didaktischen Rahmens vom Lehrenden selbst damit versehen werden. Hiermit geht zwar ein höherer Aufwand einher, dafür ist aber ein zielgerichteteres Lernen möglich, da nicht notwendigerweise einer vorgegebenen Struktur gefolgt werden muß und das Lernziel frei gestaltet werden kann.
Das letzte Kapitel behandelt mit dem Hypertext eine EL-Struktur, in der die Grenzen zwischen Leser und Autor vage sind und die trotz der unstrittigen Vorteile noch wenig verbreitet ist. Gründe dafür sind geringeres wissenschaftliches Prestige, mangelndes Wissen um den Einsatz der Tools und schließlich mangelnde Kohärenz. Zu ergänzen wäre, daß Hypertext grundsätzlich nicht gut zum Offline-Konsum geeignet ist; er erfordert i.d.R. entweder eine ständige Netzanbindung (und zwingt zum Lesen am Monitor) oder eine sorgfältige Vorauswahl der Pfade oder eine Auswahl der Beiträge mittels Suchfunktion, wodurch zwangsläufig die Hypertextfunktionalität verloren geht.

Meine Erwartungen an das Buch waren eher gering, womöglich deshalb, weil meine bisherigen Erfahrungen mit EL durchwegs indifferenter Natur waren und ich diese Einschätzung vermutlich unbewußt auf die zu erwartende Lektüre übertragen habe. Dank ihr stellte ich nun fest, daß EL weit über das hinausgeht, was bisher in Kursen etc. unter diesem Titel angepriesen wurde, und daß gemäß der weitreichenden Definitionen nahezu jede Webseite Gegenstand des EL werden kann. Als ausgesprochenes Positivum des Buchs bemerke ich, daß ich für dessen Konsum etwa viermal soviel Zeit aufgewendet habe wie erwartet; der Grund besteht in den unzähligen mir bis dato nicht bekannten und häufig sofort besuchten WWW-Links, welche vielfach ganz im Sinne von Hypertexten „vom Hundertsten ins Tausendste“ führen und (auch ohne spezifisches Lerninteresse) den Leser viele Stunden in Anspruch nehmen.

M4 WS 2007

Ulrich Gatterbauer

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